Donnerstag, 20. März 2014

Ein Buch wie ein Orkan auf See - Janice Jakait "Tosende Stille"

@scorpio Verlag
Fangen wir mit dem Ende an. Ganz ehrlich: Ich habe geweint. Vor Freude, vor Rührung, vor Begeisterung. Ich habe geweint, als ob ich dabei gewesen wäre, als Janice Jakait am 21. Februar 2012 nach 90 Tagen, fünf Stunden und neun Minuten mit ihrem Ruderboot im Hafen von Barbados angelegt hat, nachdem sie als erste deutsche Frau den Atlantik ohne Begleitboot rudernd überquert hat. Ich habe das Buch zugeklappt und ich hätte sie am liebsten umarmt.


Mich hat beim Lesen nicht nur diese Leistung überwältig, die Vorstellung, dass ein Mensch zwischen fast haushohen Wellen allein rudert und weiß, dass das Meer nicht zu bezwingen ist. Dass jemand sich bewusst dem Risiko aussetzt,  auch wenn alles schiefgehen kann. Nein - mich hat vor allem auch die Spanne zwischen Wortgewalt und Poesie beeindruckt, mit der Janice Jakait dieses Abenteuer erzählt.

Bevor sie sich für den Extremsport entschieden hat, war Janice Jakait IT-Beraterin. Wenn ich so zwischen den Zeilen lese, dann hat sie wahrscheinlich ein ganz normales Leben geführt. Eines wie du und ich. Hatte ständig Fragen im Kopf, auf die es im Alltagsgetümmel oder auch in der Wissenschaft, dort wo man nach Beweisen sucht, kaum befriedigende Antworten gibt. Das kennen viele von uns und viele von uns überlegen sich sicher auch, aus dem Hamsterrad auszubrechen. Endlich mal das eigene Leben zu hinterfragen. Herauszufinden, wer das da ist, dem man morgens im Spiegel in die Augen schaut. Und endlich den eigenen Weg zu gehen, auch mal irgendetwas Verrücktes zu tun. In den allermeisten Fällen bleibt es allerdings bei den Überlegungen. Wirklich aufzubrechen, sich nicht nur - wie Janice - dem Meer sondern vor allem dem eigenen ICH zu stellen, das verwirklichen die Wenigsten. Darum ist dieses Buch nicht nur ein Reisetagebuch und auch weit mehr als eine Aktion, die auf den Unterwasserlärm in den Weltmeeren aufmerksam machen will. Es ist ein Weckruf für all jene, die den Entschluss, endlich das eigene Leben zu leben, von einem Tag auf den nächsten verschieben.

Mich hat es angefixt. Eine Formulierung, die Janice Jakait für den Ozean benutzt, der sie in seinen Bann gezogen hat. Mich hat es angefixt, weil es so authentisch, so menschlich ist. Nichts beschönt. Nichts verniedlicht. Scheitern an den eigenen Erwartungen als blinden Passagier an Bord hat und Aufgeben als Option nicht vorgesehen ist. Und weil auf jeder Seite deutlich wird, dass es verdammt schwer ist, sich selbst zu begegnen. Da spielt es überhaupt keine Rolle, ob man 6500 Kilometer gegen die Gewalten des Meeres, gegen Hunger und Müdigkeit allein rudert, einen Achttausender besteigt, oder als alleinerziehende Mutter tagtäglich versucht, das Beste aus seinem Leben und dem Leben der Kinder zu machen. Hauptsache man tut es.

Neben all den inneren und äußeren Kämpfen beschreibt Janice Jakait in dem Buch ihre einzigartigen Begegnungen mit der Natur. Mit einem Vogel, der das Boot über Wochen hinweg begleitet, mit einem Wal, mit fliegenden Fischen und natürlich dem Meer, das sie in diesen 90 Tagen in allen Facetten kennenlernt. Auch das ist berührend. So viel Zaungast war selten.

Für mich ist "Tosende Stille" von Janice Jakait schon jetzt eines der Top-Bücher 2014, ein Bestbook, das hoffentlich zum Bestseller wird. Das wünsche ich der Autorin von Herzen und ich danke ihr für jeden Ruderschlag, den sie - ohne es zu wissen - auch ein bisschen mit für mich, im Grunde für jeden von uns gemacht hat.

Das Buch selbst ist in vier Teile aufgegliedert, die vier Reiseetappen entsprechen. Dazu gibt es ein paar Fotos und ein Glossar für die, die sich mit seemännischen Fachbegriffen nicht auskennen. Erschienen ist es als e-Book, als Hörbuch oder Hardcover.
Scorpio Verlag
ISBN 978-3-943416-56-5
Kosten: 19,99 Euro



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